Mein Nachbar

Lucien genannt Lülü - der ist 77 Jahre alt. Vor 1 Woche hatte er sehr, sehr viel Blut im Urin und da er früher Krankenpfleger war, ist er sofort ins Krankenhaus gefahren. Nur leider sind unsere Krankenhäuser hier alle voll - in der ganzen grossen Stadt gibts keinen Platz, nachdem er dort 12 Stunden gewartet hat, ging er wieder unverrichteter Dinge nach Hause.

Er machte einen Termin mit einem Urologen, der ist nächsten Mittwoch und dann wird er hoffentlich gleich ins Krankenhaus eingewiesen werden, in der Zwischenzeit hat er sein Herzmittel halbiert, aus Angst, dass wäre der Grund *seufz.

Seine nun ja, sagen wir mal Freundin, war in Paris bei ihrer kranken Tochter und hat sie gepflegt. Sie sollte nun wieder kommen, fürs Wochenende und ist auch krank geworden und bleibt bei sich - und der arme, alte Mann ist Nacht für Nacht mit seinen Ängsten alleine.

Ich geh ihn jeden Tag besuchen, heute sah er ganz furchtbar aus, eingefallen im Gesicht und total fertig, er hält bald nimmer auf den Beinen. Seine Kinder kommen vorbei, er hat ihnen nicht viel gesagt, die haben andere Sorgen sagt er - so ein Blödsinn, aber nun ja. Claudine meine andere Nachbarin hab ich informiert und sie geht auch jeden Tag hin.

Es ist einfach unmöglich hier, wenn man was Schlimmes hat, muss man 2 Wochen warten bis man dran ist - unser Land ist schlimm geworden!

17.1.09 18:17

Letzte Einträge: Hab ich es doch vorhin schon gesagt, Ein schöner Tag, Mein Auto, Toll ..., Hunde und Katzen

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bisher 3 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Margret Funston (17.1.09 20:30)
Hallo Marie,
seit ein paar Wochen lese ich nun deine Einträge über dein Leben in Frankreich und sehe sie als eine Reflexion dessen, von dem wir alle betroffen sind. Für deinen armen Nachbarn gibt es keinen Platz im Krankenhaus und hier bei uns haben viele Leute nicht mal eine Krankenversicherung, weil sie es sich nicht leisten können. Krank zu werden und ins Krankenhaus eingeliefert zu werden, bedeutet oft ein totaler finanzieller Zusammenbruch für die Familie. Während der Bush Regierung hatten wir heftige Debatten über die schlechten Ergebnisse der sozialen Gesundheitssysteme in Kanada und Westeuropa. Das stimmt, es funktioniert nicht wie es sollte und das Ergebnis ist, was dein Nachbar jetzt durchmachen muss.
Aber das nur, weil unsere Politiker, alle mit abgesicherter Krankenversicherung und reichlicher Altersversorgung, immer andere und natürliche mehr lukrative Projekte finden, um unsere Steuergelder auszugeben oder auch zu stehlen.
In ein paar Tagen haben wir einen neuen Präsidenten und die Erwartungen an ihn sind unmenschlich hoch. Gut ist, mal wieder einen intelligenten Menschen im Weißen Haus zu haben.
Grüße aus dem sonnigen Arizona
Margret


Marie (18.1.09 08:59)
Hallo Margret - sowas sind die Wunder des Internets, da liesst jemand aus den Staaten in meinem deutschen Blog, in Frankreich geschrieben. Sei herzlich willkommen

Die Krankenversicherung in Amerika ist ein wunder Punkt, das stimmt - aber in Deutschland zumindest, hat auch nicht jeder eine Krankenversicherung, man fliegt ganz einfach raus aus dem System, wenn man selbstständig ist und das teure Geld nicht aufbringen kann usw ... und hier in Frankreich gibts auch zu Genüge Fälle, wo die Leute nicht versichert sind. Im Grunde ists überall so, dass es die Reichen gibt, die zu viel haben und viele Leute, die gar nichts besitzen - und ich denke, Europa und Amerika sind noch besser dran, als die Hungerländer.

Obama der ist mein Lichtblick, weil wer unter Sarkozy lebt, der schaut dahin, wo Anständigkeit vermutet wird, ich meine auch, dass Obama nicht alle Erwartungen erfüllen kann, aber das amerikanische Volk hat die beste Möglichkeit gewählt und Amerika hat die Kraft sich aus dem Loch zu ziehen, was ich von meinen Landsmännern nicht so arg vermute. Hier hackt man sich lieber gegenseitig die Augen aus.

Liebe Grüsse nach Arizona
Marie


Frau Momo / Website (18.1.09 20:01)
leider hast Du Recht, Marie und jetzt haben sie wieder eine Reform zusammengezimmert, die keine ist. Ich hab es selber erlebt, als ich zum Facharzt wollte.... erste Frage, wie ich versichert sei... als Kassenpatientin hätte ich drei Wochen auf einen Termin warten dürfen, als Privatpatientin hätte ich nächsten Tag einen haben können. Den Arzt habe ich nie aufgesucht.